Von Helga Kinski, Nieder-Olm
„Der Gesangverein „Liederkranz“ wurde 1908 gegründet, erfuhr eine Neugründung am 10.03.1946 und feierte am 10.03.2026 seinen 80. Geburtstag. Zu diesem Anlass wurde die Fahne, die zur Gründung gestiftet wurde, in einem Karlsruher Betrieb aufgearbeitet und nun dem Verein in der Generalversammlung am 26.03.2026 vorgestellt. Die einhellige Meinung war, dass die Renovierung außerordentlich gelungen sei und näherer Betrachtung bedürfe.Die Fahne ist quadratisch mit einer Seitenlänge von ca. 85cm, an drei Seiten schließen goldene Fransenapplikationen die textile Fläche ab, an der Seite der Aufhängung hält eine gleichfarbige Borte die 7 ringförmigen Aufhängungen.Die Vorderseite Die Vorderseite der Fahne besteht aus nachtschwarzem Samt, zwei parallele Linien in breiter Gold- und schmalerer weißer Borte umrahmen das gesamte innere Bild. An drei Ecken öffnen sich die beiden Borten zu Medaillons mit drei roten Rosen und entsprechendem Laub, in der linken unteren Ecke zum Wappen von Nieder-Olm.Über dem inneren Bild findet sich der nach oben gebogene Schriftzug Gesang-Verein“Liederkranz“ in Groß- und Kleinbuchstaben, darunter NIEDER-OLM, in nach unten geschwungener Schrift, durchgängig in Großbuchstaben notiert. In gleicher Entfernung zu beiden Schriftzügen: Gegr. auf der linken, 1908 auf der rechten Seite. Die Buchstaben und Zahlen bestehen aus erhaben gearbeiteten Goldfäden, die mit Schmuckstichen auf den Samt appliziert wurden.Das innere Bild wird von einem Schwan beherrscht, dessen strahlend weißes Gefieder das Licht auf besondere Weise reflektiert. Seine ausgebreiteten Flügel, deren Lenkfedern einzeln herausgearbeitet sind, lassen die Darstellung majestätisch und edel wirken. Den unteren Körperbereich des Tieres verdeckt ein mit unterschiedlich langen, farbigen Plattstichen angedeutetes Wasser, das bei näherer Betrachtung leicht flirrt und so eine zarte Bewegung suggeriert. Man fühlt sich an Seerosenbilder des impressionistischen Malers Claude Monet erinnert. Begrenzt wird die Wasserfläche von 9 symmetrisch angeordneten Seerosenblüten, die im Halbrund um die Wasserfläche ranken, sie begrenzen und in Schilfrohr und weiteren langstieligen Pflanzen auslaufen. Der Schwan könnte an eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannte Sagengestalt erinnern: den Minnesänger Lohengrin. In der gleichnamigen Oper von Richard Wagner tritt er in einem Schwan stehend auf. Die Rückseite der Fahne zeigt denn auch einen mittelalterlichen Sänger, später dazu mehr.Hinter dem Schwan ragt eine reich verzierte, fünfsaitige Lyra empor, ein beliebtes Kennzeichen von Chören zur Zeit der Liederkranz-Gründung. Der braun-goldene Korpus in Form eines Herzens hat ein golden umrahmtes Schallloch mit fein gestickten, goldenen Arabesken, die auch die beiden aufragenden Stimmwirbelhalter umspielen. Mit zarten, goldenen Fäden sind die Saiten angedeutet, die in dicken Bündeln auslaufen. Die angedeuteten Stimmwirbel umspielt ein weißes Band mit drei Schlaufen über den Saiten und streng symmetrisch auslaufenden Enden.Der dominierende, weiße Schwan scheint die Lyra zu halten und mit seinen ausgebreiteten Flügeln sogar zu verteidigen. Die Lyra wirkt durch ihr Schweben auf den Flügeln des Tieres leicht und-2-durch die Arabesken kostbar und einzigartig. Betont wird dieser Eindruck noch durch das ebenfalls weiße Band, das auf die Leichtigkeit, aber auch auf das schnelle Verwehen von Musik, anspielt. Durch die Verwendung von Samt als kostbarsten Stoff, die Majestät des Schwans und die Verarbeitung zahlreicher Goldfäden entsteht ein edler, einzigartiger Eindruck, der die Schönheit und Erhabenheit der gesungenen Musik in den Mittelpunkt der Aussage unserer Fahne stellt. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die in hellen Farben gehaltene Rückseite unserer Fahne.Die RückseiteDie Rückseite der Fahne besteht aus dicht gewebtem Seidenstoff in gelblich-weißem Farbton. Den Rahmen des zentralen Motivs bilden zwei Goldtrassen, die an den vier Ecken der Fahne zu kunstvollen Arabesken auslaufen und eine Raute umrahmen. Möglicherweise ist die Raute eine Anspielung auf das Symbol des Deutschen Sängerbundes. Die das dominierende Bild umgebende Schrift „Grüß´ Gott mit hellem Klang“ im oberen Bereich des Bildes und „Heil deutschem Wort und Sang!“ im unteren Teil ist denn auch der Text des Deutschen Sängergrußes.Im Zentrum des Bildes steht ein Minnesänger, erkennbar an seinen langen, gewellten Haaren, seinem kurzen, helllila Gewandt mit breiter Goldborte am Rocksaum und einer kleinen Harfe in der rechten Hand. Er ist durchaus höfisch gekleidet mit einem Überwurf aus leuchtend blauem Stoff, der in edlen Falten von der linken Schulter fällt. Sein schulterlanges, gewelltes Haar umrahmt das Gesicht, die Augen blicken den Betrachter aufmerksam an. Sein Kleid wird von einem goldfarbenen Gürtel gehalten, auf der linken Seite ist ein Schwertgehänge erkennbar.Die Harfe wird mit der rechten Hand gehalten und mit dem rechten Oberschenkel gestützt, die linke greift in die tiefen Basssaiten. Der leicht geöffnete Mund des Sängers erweckt den Eindruck, als würde er singen, während er sich auf seinem Instrument begleitet.Der Sänger steht auf einem nicht näher definierten, grünen Untergrund, dessen unterer Rand auf einem Sockel ruht, der aus goldenen Arabesken auf dunkelblauem Grund besteht. Aus diesem Sockel erwachsen rechts und links Weinreben mit prächtigen Trauben, eine Anspielung auf die Nieder-Olmer Weinkultur. Im Hintergrund runden rechts und links zu Füßen des Sängers leichte Anhöhen mit angedeuteten Burgen den Eindruck der Heimatverbundenheit ab.Im Unterschied zur festlich getragenen, dunklen Vorderseite strahlt die Rückseite eine eher helle und heitere Grundstimmung aus, wie Musik und Gesang sie erlebbar machen.Die Fahne wird zu offiziellen Anlässen wie Beerdigungen oder überregionalen Gesangstreffen von Vereinsmitgliedern getragen. Bei unseren Konzerten gehört sie, zusammen mit anderen Symbolen des Gesangvereins Liederkranz, zur Dekoration der Bühne.



